Eigenbedarfskündigung – Voraussetzungen, Begründung und Fristen für Vermieter
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Eine Eigenbedarfskündigung steht und fällt mit dem Kündigungsschreiben: Es muss schriftlich vorliegen, die Person nennen, für die Sie die Wohnung brauchen, und den konkreten Grund angeben. Fehlt die Begründung oder die Schriftform, ist die Kündigung unwirksam. Wer Eigenbedarf nur vorschiebt, muss dem Mieter den Schaden ersetzen. Entscheidend sind deshalb der richtige Personenkreis, ein nachvollziehbarer Grund und eine Zustellung, die Zugang und Fristbeginn belegt.
Kurz gesagt
Vermieter können wegen Eigenbedarfs kündigen, wenn sie die Wohnung für sich, für Familienangehörige oder für Angehörige ihres Haushalts benötigen (§573 Abs. 2 Nr. 2 BGB). Die Kündigung muss die Bedarfsperson und den konkreten Grund benennen. Je nach Dauer des Mietverhältnisses beträgt die Frist drei, sechs oder neun Monate (§573c BGB). Der Mieter kann wegen unzumutbarer Härte widersprechen (§574 BGB).

Wann liegt Eigenbedarf vor?
Eigenbedarf bedeutet: Sie benötigen die vermietete Wohnung als Wohnung für sich selbst, für Familienangehörige oder für Angehörige Ihres Haushalts (§573 Abs. 2 Nr. 2 BGB). Das Interesse muss vernünftig und nachvollziehbar sein – ein bloßer Wunsch genügt nicht, eine konkrete Lebensplanung dagegen schon.
Wer zu den Familienangehörigen zählt, bestimmt der BGH anhand des Prozessrechts: Erfasst sind genau die Personen, denen ein Zeugnisverweigerungsrecht aus persönlichen Gründen zusteht (§383 ZPO, §52 StPO), und zwar unabhängig davon, wie eng die Beziehung tatsächlich ist (Urteil vom 10.07.2024 – VIII ZR 276/23). Ein Cousin oder eine Cousine fällt deshalb heraus, selbst wenn Sie sich nahestehen. Angehörige Ihres Haushalts, etwa eine bei Ihnen lebende Pflegekraft, nennt das Gesetz als eigene Gruppe.
Den Grad der Verwandtschaft zählt das Gesetz nach den vermittelnden Geburten (§1589 Abs. 1 BGB). Verschwägert sind Sie mit den Verwandten Ihres Ehegatten, in derselben Linie und demselben Grad (§1590 Abs. 1 BGB). Daraus ergibt sich dieser Personenkreis:
| Personenkreis | Beispiele | Grundlage |
|---|---|---|
| Vermieter selbst | Sie als Eigentümer | §573 Abs. 2 Nr. 2 BGB |
| Ehegatte, eingetragener Lebenspartner, Verlobte | – | §383 Abs. 1 Nr. 1, 2 und 2a ZPO |
| in gerader Linie verwandt | Kinder, Enkel, Eltern, Großeltern | §383 Abs. 1 Nr. 3 ZPO, §1589 BGB |
| in der Seitenlinie bis zum dritten Grad verwandt | Geschwister (zweiter Grad), Nichten, Neffen, Onkel, Tanten (dritter Grad) | §383 Abs. 1 Nr. 3 ZPO, §1589 BGB |
| in gerader Linie verschwägert | Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Stiefkinder | §383 Abs. 1 Nr. 3 ZPO, §1590 BGB |
| in der Seitenlinie bis zum zweiten Grad verschwägert | Schwager, Schwägerin | §383 Abs. 1 Nr. 3 ZPO, §1590 BGB |
| Angehörige Ihres Haushalts | etwa eine bei Ihnen lebende Pflegekraft | §573 Abs. 2 Nr. 2 BGB |
| nicht erfasst | Cousins und Cousinen (Seitenlinie, vierter Grad), auch bei enger Bindung | BGH, Urteil vom 10.07.2024 – VIII ZR 276/23 |
Wie begründe ich eine Eigenbedarfskündigung?
Die Begründung ist das Herzstück der Eigenbedarfskündigung. Die Gründe für Ihr berechtigtes Interesse gehören in das Kündigungsschreiben; andere Gründe zählen nur, soweit sie nachträglich entstanden sind (§573 Abs. 3 BGB). Sie müssen also konkret benennen, für welche Person Sie die Wohnung benötigen und aus welchem Grund. Pauschale Formulierungen wie „wegen Eigenbedarfs“ reichen nicht aus und machen die Kündigung angreifbar.
- Name und Verhältnis der Bedarfsperson zum Vermieter
- Konkreter Grund (z. B. Kind beginnt Studium am Wohnort, Eltern ziehen näher)
- Warum gerade diese Wohnung benötigt wird
- Hinweis auf Möglichkeit, Form und Frist des Widerspruchs nach §§574 bis 574b BGB (§568 Abs. 2 BGB)
Ein Grund, den Sie im Schreiben weglassen, fehlt Ihnen später auch in der Härteabwägung: §574 Abs. 3 BGB lässt dort nur die angegebenen und die nachträglich entstandenen Gründe zu.
Welche Frist gilt bei einer Eigenbedarfskündigung?
Die Eigenbedarfskündigung ist eine ordentliche Kündigung. Sie braucht die Schriftform (§568 Abs. 1 BGB) und unterliegt den Fristen nach §573c BGB, die mit der Dauer des Mietverhältnisses wachsen. Der Ablauf im Überblick:
| Schritt | Was gilt | Grundlage |
|---|---|---|
| Kündigung erklären | schriftlich, mit Bedarfsperson und konkretem Grund | §568 Abs. 1, §573 Abs. 3 BGB |
| Hinweis auf den Widerspruch | rechtzeitig auf Möglichkeit, Form und Frist hinweisen | §568 Abs. 2 BGB |
| Zugang beim Mieter | bis zum dritten Werktag eines Kalendermonats; dann zählt dieser Monat bei der Frist mit | §573c Abs. 1 Satz 1 BGB |
| Kündigungsfrist | drei Monate; nach fünf Jahren seit Überlassung sechs Monate, nach acht Jahren neun Monate | §573c Abs. 1 Satz 2 BGB |
| Widerspruch des Mieters | in Textform, spätestens zwei Monate vor dem Mietende | §574b BGB |
| Mietende | Der Mieter muss die Wohnung zurückgeben | §546 Abs. 1 BGB |
Wie Sie das genaue Mietende berechnen, zeigt der Ratgeber zu den Kündigungsfristen im Mietvertrag mit Beispielen.
Kann der Mieter der Eigenbedarfskündigung widersprechen?
Ja. Der Mieter kann der Kündigung nach §574 BGB widersprechen, wenn ihn der Auszug unzumutbar hart träfe – etwa wegen hohen Alters, schwerer Krankheit, einer Schwangerschaft, fehlenden bezahlbaren Ersatzwohnraums oder eines kurz bevorstehenden Schulabschlusses eines Kindes. Der Widerspruch muss spätestens zwei Monate vor Ablauf der Kündigungsfrist in Textform erklärt werden (§574b BGB). Haben Sie nicht rechtzeitig auf Möglichkeit, Form und Frist hingewiesen, kann der Mieter ihn noch im ersten Termin des Räumungsrechtsstreits erklären (§574b Abs. 2 BGB).
Kommt keine Einigung zustande, entscheidet das Gericht nach Abwägung der Interessen beider Seiten. Es kann das Mietverhältnis für eine bestimmte Zeit fortsetzen oder, wenn offen ist, wann die Härte wegfällt, auch auf unbestimmte Zeit (§574a Abs. 2 BGB). Eine sorgfältig begründete Kündigung und der frühzeitige, faire Dialog mit dem Mieter reduzieren das Risiko eines langwierigen Räumungsprozesses erheblich.
Was gilt, wenn der Mieter nicht auszieht?
Mit dem Ende des Mietverhältnisses muss der Mieter die Wohnung zurückgeben (§546 Abs. 1 BGB). Hat er sie einem Dritten überlassen, etwa einem Untermieter, können Sie die Rückgabe auch von diesem verlangen (§546 Abs. 2 BGB).
Bleibt der Mieter wohnen, läuft eine kurze Frist: Setzt er den Gebrauch nach dem Mietende fort, verlängert sich das Mietverhältnis auf unbestimmte Zeit, wenn keine Seite innerhalb von zwei Wochen widerspricht (§545 BGB). Für Sie beginnt die Frist, sobald Sie von der weiteren Nutzung erfahren. Erklären Sie den Widerspruch deshalb sofort und so, dass Sie den Zugang belegen können.
Solange der Mieter die Wohnung vorenthält, können Sie als Entschädigung die vereinbarte Miete oder die ortsübliche Miete für vergleichbare Wohnungen verlangen (§546a Abs. 1 BGB). Einen darüber hinausgehenden Schaden ersetzt der Mieter bei Wohnraum nur, wenn er die verspätete Rückgabe zu vertreten hat, und nur soweit es der Billigkeit entspricht. Für die Dauer einer gerichtlich gewährten Räumungsfrist schuldet er keinen weiteren Schadensersatz (§571 BGB). Räumt der Mieter trotz allem nicht, bleibt die Räumungsklage.
Was droht bei vorgetäuschtem Eigenbedarf?
Fällt der Eigenbedarf nach dem Auszug des Mieters nachweislich weg – etwa weil die Wohnung kurz darauf neu vermietet oder verkauft wird – kann das als vorgetäuschter Eigenbedarf gewertet werden. Der gekündigte Mieter hat dann Anspruch auf Schadensersatz, der Umzugskosten, Maklergebühren und eine etwaige Mietdifferenz umfassen kann.
Kündigen Sie daher nur bei tatsächlichem, ernsthaftem Bedarf und dokumentieren Sie die Gründe sorgfältig. Ändert sich Ihre Planung nach der Kündigung, sollten Sie dies belegen können.
Häufige Fragen
Kann eine GmbH Eigenbedarf anmelden?
Nein. Eigenbedarf setzt eine natürliche Person voraus. Juristische Personen wie eine GmbH können sich nicht auf Eigenbedarf nach §573 Abs. 2 Nr. 2 BGB berufen. Eine GbR kann sich dagegen auf den Eigenbedarf eines ihrer Gesellschafter oder dessen Angehörigen berufen (BGH, Urteil vom 14.12.2016 – VIII ZR 232/15).
Muss ich dem Mieter eine Ersatzwohnung anbieten?
Steht in demselben Gebäude oder Wohnkomplex eine vergleichbare Wohnung leer, müssen Sie diese dem gekündigten Mieter anbieten (Anbietpflicht). Unterlassen Sie das, bleibt die Kündigung zwar wirksam, Sie schulden dem Mieter aber Schadensersatz (BGH, Urteil vom 14.12.2016 – VIII ZR 232/15). Eine Pflicht, irgendwo Ersatzwohnraum zu beschaffen, besteht jedoch nicht.
Wie muss die Kündigung zugestellt werden?
Die Eigenbedarfskündigung muss schriftlich mit Originalunterschrift aller Vermieter erfolgen und dem Mieter nachweisbar zugehen. Empfehlenswert ist die persönliche Übergabe mit Zeugen oder ein Einwurf-Einschreiben, damit der Zugang und damit der Fristbeginn belegbar ist.
Gilt nach einem Eigentümerwechsel eine Sperrfrist?
Ja, in zwei Fällen: wenn die Wohnung erst nach der Übergabe an den Mieter in Wohnungseigentum aufgeteilt und dann verkauft wurde, und wenn eine Personengesellschaft oder mehrere Käufer die vermietete Wohnung erworben haben, die nicht derselben Familie oder demselben Haushalt angehören. Eigenbedarf kann der Erwerber dann frühestens drei Jahre nach der Veräußerung geltend machen. Per Landesverordnung kann die Sperre in Gebieten mit knappem Wohnraum bis zu zehn Jahre dauern (§577a BGB).
Quellen und Rechtsgrundlagen
- § 573 BGB – Ordentliche Kündigung des Vermieters
- § 573c BGB – Fristen der ordentlichen Kündigung
- § 568 BGB – Form und Inhalt der Kündigung
- § 574 BGB – Widerspruch des Mieters gegen die Kündigung
- § 574a BGB – Fortsetzung des Mietverhältnisses nach Widerspruch
- § 574b BGB – Form und Frist des Widerspruchs
- § 545 BGB – Stillschweigende Verlängerung des Mietverhältnisses
- § 546 BGB – Rückgabepflicht des Mieters
- § 546a BGB – Entschädigung des Vermieters bei verspäteter Rückgabe
- § 571 BGB – Weiterer Schadensersatz bei verspäteter Rückgabe von Wohnraum
- § 577a BGB – Kündigungsbeschränkung bei Wohnungsumwandlung
- § 1589 BGB – Verwandtschaft
- § 1590 BGB – Schwägerschaft
- BGH, Urteil vom 10.07.2024 – VIII ZR 276/23
- BGH, Urteil vom 14.12.2016 – VIII ZR 232/15
- § 383 ZPO – Zeugnisverweigerung aus persönlichen Gründen
- § 52 StPO – Zeugnisverweigerungsrecht der Angehörigen des Beschuldigten
Hinweis: Der Ratgeber „Eigenbedarfskündigung – Voraussetzungen, Begründung und Fristen für Vermieter“ gibt den Stand vom 19. Oktober 2026 wieder, dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
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